2. Juli 2025

Erleuchtung

Ein erster Augenblickseindruck, der sich einem Betrachter des Videos zur NATO-Konferenz vor ein paar Tagen aufdrängen mag, das Mark Ruttes Begrüßung des hohen Gastes aus Washington zeigt: Geht es noch devoter? Dank sei dem Weisen aus «God’s own country«, der uns begriffsstutzigen Europäern noch rechtzeitig die Augen geöffnet habe für die Notwendigkeit, die nationalen Kriegskassen […]
Sinis

Ein erster Augenblickseindruck, der sich einem Betrachter des Videos zur NATO-Konferenz vor ein paar Tagen aufdrängen mag, das Mark Ruttes Begrüßung des hohen Gastes aus Washington zeigt: Geht es noch devoter? Dank sei dem Weisen aus «God’s own country«, der uns begriffsstutzigen Europäern noch rechtzeitig die Augen geöffnet habe für die Notwendigkeit, die nationalen Kriegskassen noch hochprozentiger – von zwei auf fünf – auszustatten. Welch Freude! (Mimisch von Ruttes Strahlen und dem Gesicht eines überraschend reich Beschenkten zum Ausdruck gebracht.) Preis auch für das entschlossene Umspringen mit den frauenverhüllenden, sich hinterhältig und feige eingrabenden Mullahs Irans! (Indem Rutte den Iran des Terrorismus – und davon weiß schließlich doch schon jeder – bezichtigt, sind diese und weitere Adjektive schon mitgemeint.)

Und ja – die NATO hat die Botschaft des »supreme leader«s zum Ukrainekrieg vernommen. In dem Sinne, dass Europa sich nun daran begeistern kann, alles zum Fertigmachen Russlands Nötige, ohne ausgehalten zu werden, aus eigener Kraft und auf eigene Kosten zu tun. Für Rutte weist der Seher Trump diesen leuchtenden Pfad, und er versichert, freudig erregt, allen, die es (nicht) hören wollen, dass die NATO davon durchdrungen ist, zu Krieg noch fähiger zu werden.

Wenn Rutte Kermit den Frosch gibt – »Applaus, Applaus!« –, so ist seine Ergebenheitsadresse, wenngleich sie einem Betrachter als zum Gruseln »peinlich« aufstoßen mag, der Sache nach kein Theater, sondern die zu einem Einverständnis mit dem Hegemon passende Form. Die NATO akzeptiert, dass dieser in Sachen Russland ein »Fass ohne Boden« nicht mehr will, und übermittelt zugleich, es sei doch nützlich und heilsam, wenn sich Europa nun eigenständig der nach wie vor gemeinsam bezweckten Feinderlegung widme. Nach Ruttes frohem Gesichtsausdruck zu schließen, handelt es sich bei dieser Rollenverteilung um ein veritables »Win-win«. Damit hat er auch recht. Aber das Militärische muss halt erst noch kommen (und Putin halt noch warten).

Trump nimmt den Lorbeer mit der Selbstverständlichkeit dessen, dem der auch gebührt, huldvoll entgegen und weist – für Rutte ein weiterer Anlass, zu frohlocken und Hosianna zu singen – die Avance nicht zurück. Solange er nicht den Zahlmeister geben muss und solange sich auch alle EU-ler an die höher gelegte Messlatte halten (sonst Knüppel aus dem Sack), gibt er sinngemäß den Bescheid: »Schaut halt zu, wie ihr bei eurem ›beef‹ vorankommt.« Das NATO-Echo (wiederum sinngemäß): »Natürlich werden wir das.« Mit Recht und Freiheit geeint ein Grund zum Feiern und nicht »bloße Show«. Sondern: »meaning business«.

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