10. März 2026

»Es gibt nichts Gutes…«

… »außer man tut es«. Im Fall des Irans bedeutet das: Revolte gegen die dort im Namen Allahs etablierte Herrschaft und hoffentlich deren Sturz ist eine von Demokraten zu begrüßende »Drecksarbeit«. Weshalb? Deshalb. Weil Mullah-Regime. Und das habe eben den auch schon von Russland, China und anderen Störenfrieden her bekannten Zweck, Unterdrückung auszuüben und die […]
Sinis

Hinweis: Dieser Blogbeitrag ist ein Gastbeitrag. Die Inhalte und Meinungen liegen in der Verantwortung des jeweiligen Autors und stellen nicht zwangsläufig die Auffassung des Teams von 99 ZU EINS dar.

… »außer man tut es«. Im Fall des Irans bedeutet das: Revolte gegen die dort im Namen Allahs etablierte Herrschaft und hoffentlich deren Sturz ist eine von Demokraten zu begrüßende »Drecksarbeit«. Weshalb? Deshalb. Weil Mullah-Regime. Und das habe eben den auch schon von Russland, China und anderen Störenfrieden her bekannten Zweck, Unterdrückung auszuüben und die freie Welt zu bedrohen; im Fall Irans aus religiösem Fanatismus. »Denn« der sei im Unterschied zur den USA und Israel von Gott selbst verliehenen Mission, der Welt den Weg in die Freiheit zu weisen, nun mal hirnverbrannt.

Bisweilen wird der Behauptung grundsätzlicher iranischer Verworfenheit entgegengehalten, der iranische Staat würde dann eine Wohltatenmaschine sein können, wenn man ihn nur machen ließe, wie er eigentlich wollte. Staatliches Wollen ist aber anders geartet. Was der Iran per verwertbarer Armut (wie auch anders?) ökonomisch schon längst betreibt, ist bei all seinen örtlichen Besonderheiten – Wirtschaftsmacht von Revolutionsgarden, von Basarhändlern, von aus Sanktionen exorbitante Gewinne ziehenden Oligarchen – ja gar kein Gegensatz zum Rest der Welt, in dem es selbstverständlich darum geht, aus Geld mehr Geld zu machen. (Dabei – und das ist ein für Iraner durchaus existentiell wirksamer Verteilungsunterschied – hat ihre Republik nach dem Schah einen Sozialbereich geschaffen; also etwas gemacht, das hierzulande gerade eine möglichst schlechte Presse erfährt. Stichpunkt »Über unsere Verhältnisse gelebt«.)

Die für den Westen nicht weiter zu duldende Untragbarkeit des iranischen Staats in seiner jetzigen Form ergibt sich nicht aus dessen Sorte des Wirtschaftens als solcher. Auch macht, anders als propagandistische Rechtfertigung behauptet (vgl. Punkt eins unten), des Irans Verbrechen nicht seine Ausrichtung an Allahs Geboten per se aus. Was nicht sein darf, ist hingegen erstens: Trotz aller Bestrafungen und somit ungebührlich frönt er in nicht hinnehmbaren Maß (wie China auch) einem ökonomischen Eigennutz, der eine Benutzung durch ein Außen nach dessen Wünschen erschwert und deshalb zu brechen ist (vgl. dazu Venezuela). Zweitens strebt er immer noch danach, als regionaler Macht- und Einflussfaktor zu agieren und einen Abschreckungspuffer im Rahmen von Allianzen entlang einer »Achse des Widerstands« zu schaffen. Diese ist mittlerweile durch militärische Schläge Israels und der USA beträchtlich geschwächt worden.

Mit der Offensichtlichkeit, dass die USA und Israel seine Feinde sind und bei Nichtunterwerfung auch bleiben wollen, geht der Iran seit dem Sturz des Schahs auf alle ihm nur möglichen Weisen um. Seit Jahrzehnten beklagt sein Regime die Vergeblichkeit seiner Kompromissofferten an die gegnerische Seite. Die waren aber schon noch rechtzeitig, vor ungefähr einem Jahrzehnt, zu durchschauen; wie ein Herr Robbe von der SPD damals in der Frankfurter Rundschau versicherte, »verstehen die Mullahs nur die Sprache der Gewalt«. Wie schnell doch die Zeit vergeht.

Wie immer bei Gewaltfragen, bei denen schon entschieden ist, ob sie irrelevant oder dass sie hier irgendwie »für uns alle von Interesse« sind, ist medial angesagt, Meinungspartei zu ergreifen. Wann ist eine Rebellion gegen die Regierung gerechtfertigt? Ohne Anspruch auf Vollständigkeit seien hier vier Ansätze zur Notwendigkeit, das Problem Iran zu lösen, skizziert.

Punkt eins: Beliebt ist nach wie vor der Verweis darauf, dass sich der Iran nach dem Sturz des Schahs zu einem der auf der Welt vorkommenden Gottesstaaten transformiert hat. Er praktiziert nun eine an religiöser Lehre orientierte Staatsräson; mit entsprechender Gesetzgebung, z. B. einem in seiner Öffentlichkeit gültigen Verhaltenskodex, auch und nicht zuletzt zum Schaden von Frauen. Dieses Gleichberechtigungsdefizit dürfte neben anderen auch Deutschland aus eigener Geschichte bekannt vorkommen, und für die allmähliche Behebung rechtlicher Ungleichheit räumte sich der hiesige Staat auch weidlich eine Zeit ein, die dem iranischen Unrechtsstaat natürlich nicht zukommt (befreundeten »Arabern« aber schon). Dass sich die iranische religiöse Führung inzwischen zu einer Sittenlockerung bequemt hat, macht das prinzipielle moralische Minuszeichen nicht hinfällig.

Punkt zwei: Der Staat sei nicht nur korrupt, in Form einer Symbiose von politischen und privatwirtschaftlichen Eliten (so was Außergewöhnliches!), sondern auch außerstande, richtig Wirtschaft zu betreiben. Seine ökonomischen Fehlentscheidungen – die es tatsächlich gibt – seien aber nicht bloß solche, sondern, im Unterschied zu hier, quasi genetisch bedingt. Wirtschaftskrieg hin oder her, die Mullahs können es einfach nicht gebacken kriegen. Also: Weg mit ihnen! You’re fired!

Punkt drei: Wenn sich so viele in Protest versammeln und ihm gewalttätigen Nachdruck verleihen, dann ist diese Radikalität Ausweis dessen, wie scheiße ihre Regierung sein muss. Sonst wären es ja auch nicht so viele. Dass der Protest vor allem auch davon herrührt, dass Existenzen in großem Maßstab bedroht sind, wird weniger betont. Der iranische Max Mustermann bekommt am eigenen Leib die Wirkungen des Wirtschaftskriegs zu spüren, mit dem sein Staat seit langem erbarmungslos überzogen wird. (»Sanktionen« ist ein Euphemismus für »wir wollen/müssen ruinieren!«) Aber das wird medial entweder nicht so hoch gehängt oder mit »Selbst schuld, wenn ihr nicht tut, was wir wollen« ins rechte Lot gerückt.

Der dortige Waffeneinsatz des Staates gegen Gewalt in seinem Inneren, über die er wie nach außen das Monopol hat, ist »für uns« zweifellos skandalös. Hier hingegen stellt sich bei Demonstranten, egal welcher Zahl, nur die Frage nach deren Friedfertigkeit, und wenn daran Zweifel bestehen, haben die Beamten gegen den pöbelnden »Druck der Straße« ja auch noch legitime drastischere Mittel zu dessen Entschärfung.

Also raus auf die Straße! Nicht nachlassen! Und wenn Mossad, CIA und Trumps Trost, Hilfe sei unterwegs, Öl ins Feuer gießen, dann ist das zwar nicht die feine Art, aber was fallen will, das muss man halt stoßen. Hauptsache, der Regime Change (nach Maidan-Drehbuch) klappt. Mit oder ohne Einrichtung einer Monarchie.

Punkt vier: Der Dauerbrenner Atombombe. Da man dem Regime nicht trauen kann, lügt es sicher, wenn es beteuert, sich die Waffe schon aus religiösen Gründen nicht zulegen zu wollen. Also muss man, egal was es sagt, da was machen; es gibt »weiterhin Handlungsbedarf«.

Das Warten darauf, ob und wann der Iran der Fortsetzung der von den USA und Israel verrichteten »Drecksarbeit« unterzogen würde, ließ (wieder einmal) »die Welt den Atem anhalten«. Und zumindest im Weißen Haus dürfte die Unberechenbarkeit, für die es sorgte, schon einmal als Zuversicht genossen worden sein, der Gegner werde sich aufgeben oder besiegt werden.

Die USA erklärten, vom Iran bedroht zu sein, und das müsse aufhören. Sonst würden sie das abstellen. Ihre Diplomatie offerierte dem Iran die Wahl der Qual: freiwillige oder erzwungene Unterwerfung? Dabei juckte es die amerikanische Kriegsbereitschaft nicht, dass der Iran mit sich konstruktiv gebenden Adressen an die UNO betonte, er halte sich an Gepflogenheiten eines Verhandelns, das doch etwas anderes sein müsse als Akzeptanz diktierter Gefügigkeit; schließlich »hält« der Iran nach Trumpscher Lesart »nicht die Karten«. Und für z. B. Lindsey Graham war klar wie Klosterbrühe, dass das, was aus dem Iran nach seiner Niederlage würde, »nicht sein Problem« sein werde.

Diesen Standpunkt verstehen die Europäer gut, denn eine ebenso kompromisslose Feindschaft trägt die EU-Außenbeauftragte unablässig gegen ein Russland unter Putin vor. Wie es mit diesem ein Ende haben muss, so auch mit den Mullahs und ihrer Schreckensherrschaft. Vorher können »wir« einfach nicht vergeben. Gott und Allah werden das schon einsehen. Inschallah und zweiminütiger Applaus für Stellvertreter Selenskyi am 24.02.2026, dem Ukrainekrieg-Gedenktag der EU.

Tage später bricht zur Befreiung des guten Irans der »Gewaltige Zorn« (Operation »Epic Fury«) vonGerechten und Jubelpersern über die Unterjocher des Landes herein. Der »komplexe militärische Konflikt« (eine ebenso schöne Bezeichnung wie Putins »Spezialoperation« in der Ukraine) war und ist für anständig Solidarische einfach unvermeidbar und überfällig. In der zum Feld der Ehre gemachten Region fällt nun leider der üblicherweise notwendige Tod von »Helden« (sinnvoll!), »unschuldigen Opfern« (schade!) und »gegnerischem Kanonenfutter« (sinnlos!) an, aber anders gehe es nun einmalnicht. Das den guten Zweck mit Frontbeobachterexpertise begleitende Verständnis mopst sich in einer Hinsicht: wenn es selbst von Ausläufern der »Naturgewalt« »Flächenbrand« in seiner Lebensführung beeinträchtigt wird. Nun kann der deutsche Urlauber nicht so reisen wie geplant, und auch seinem liebsten Kind wird das Fahren mit unverschämten Benzinpreisen schwer gemacht. Muss das denn unbedingt auch noch sein?!

Sinis
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