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Gegen die sich unlängst in Shanghai an Schattenwerfen versuchenden BRICS-Verschwörer besteht der strategische Fundamentalismus von Feldherr(inn)en des Abendlands darauf: nur aus diesem hat das Licht der Welt zu kommen. Die nötige Strahlkraft ergibt sich aus der amerikanischen Fortführung eines traditionell auf Europa angewandten Prinzips, von dem die USA viel halten; sich vor Ort aufzuhalten, z. B. in Ramstein und Büchel, Deutschland niederzuhalten und Russland draußen zu halten. Das stellt Trump mit der Brüskheit, die sein Markenzeichen ist, klar und erntet dafür Ergebenheitsbekundungen der Vasallen.
Wie kommt es nun, dass europäische Politik die will(fähr)ige Ausführung von Washingtons Anweisungen ist? Die USA sorgen mit militärisch-ökonomischer Macht, einer unbedingten Erfolgsvoraussetzung, dafür, dass auf ihrem Globus nur politisches Personal Ländergeschicke leitet, das einsieht, dass »in essence America can do no wrong«, und amerikanische Anliegen zu den seinen macht. Länder, die sich diesem Muss nicht anbequemen (wollen), sind, da ihre Bevölkerungen unter Terrorregimen leiden, Schurkenstaaten und mit allem, was es dafür braucht, auf Linie zu zwingen. Die wundervolle deutsche Nachkriegsgeschichte ist auch eine des Erfolgs amerikanischer »Eroberung deutscher Herzen« und von Etablierung eines »deutschen Denkens«, das sich seiner Grenzen immer bewusst sein muss (auf dieses Erfordernis wurde schon Willy Brandt nach eigener Aussage vom amerikanischen Freund recht deutlich hingewiesen). Nach Abräumung oder Bekehrung ungeeigneter Figuren (wie in Griechenland) sind in Europa neben einigen schon in die Jahre Gekommenen »fresh young leaders« rekrutiert, à la mode Baerbock und Kallas.
Wie ihre Vorgänger auch sind sie – ganz gleich, auf wie vielen teuren Hacken Annalena B. ihre Exkursionen unternimmt – nicht von Eigennutz getrieben, sondern tatsächlich selbstlos in ihrer tiefen, ehrlichen Überzeugung davon, was dem Wohl der Nation frommt. (Schließlich ist Deutschland keine Bananenrepublik.) Wenn sie lügen, was herauszufinden nicht immer leicht fällt, dann ist es auch gerechtfertigt – durch hehre Ziele. (So gereicht Angela Merkel ihr nachträgliches Bekenntnis zum wirklichen Zweck von »Minsk 2« zu später Hochachtung; vor solch guter Durchtriebenheit ist nur der Hut zu ziehen. »A Hund isse jo scho«.)
Diese Bereitschaft zur Unterordnung unter einen Hegemon, den »wir«, wie die FAZ schon vor Jahrzehnten beschwor, einfach brauchen, stößt bei links und rechts auf Kritik. Europa zeige Trump gegenüber »kein Rückgrat«, wo es sich doch von z. B. Modi ein paar Wirbelsäulenscheiben abschneiden könnte. Vom transatlantischen Kompass fehlgeleitet schädigten verantwortungslose EU-Eliten Wohl und Reichtum der ihnen anvertrauten Nationen. Deren Gedeihen gelinge aber nur mit Widerständigkeit »auf Augenhöhe« gegen amerikanische Diktate. Die Kritik erstellt eine alternative Kosten-Nutzen-Rechnung bzw. Schadensabwägung, was die Konkurrenz der Nationen angeht. Diese sei, da es sie nun einmal gibt, eine unabschaffbare Selbstverständlichkeit. Somit bleibe »nur«, sie wie gesagt wirklich verantwortungsvoll zu gestalten. Verantwortung buchstabiert die erweiterte EU/NATO jedoch einfach anders als ihre Kritiker.
Während Europa weiterhin an einem Standortwettbewerb mit den USA teilnimmt, lautet seine Güterabwägung ganz grundsätzlich, dass sein Nutzen in jedwedem Schaden seiner und der USA Gegner liegt. Dieses Ziel kann auf alle nur möglichen Arten und Weisen angestrebt werden, und um ins Recht setzende Einfälle ist die westliche Front nicht verlegen. Anlässlich der neuesten angeblich gegnerischen Schurkerei – »Drohnen auf Polen« – erschallt aus europäischen Hauptstädten und Militärzentralen die koordinierte »rapid response«, Russland unverhüllt mit dem Einsatz eines modernsten gemeinsamen Arsenals zu drohen, in dessen Aufzählung sich Ruttes Inbrunst triumphierend ergeht.
Unbestreitbar zeigt das jede Menge »Rückgrat«, auch wenn Kritiker monieren, Europa lasse sich nur »schicken«. Dadurch, dass Europas Rückgrat nicht jenes ist, das sie anempfehlen, wird es jedoch nicht zu keinem. Und? Nach ihrer Logik müssten sie ein Pferd als streifenloses Zebra definieren…

