4. November 2025

Umstandslos

Die rhetorisch raffinierten demagogischen Künste des Gröfaz (»Größter Führer aller Zeiten«) Hitler hätten manipulativ überwältigend und mit dem fatalen Ergebnis eines verlorenen Weltkriegs an den »autoritären Charakter« der Deutschen angedockt. So lautete zu Zeiten des »Wirtschaftswunders« der Befund einer prinzipiellen Veranlagung zu »Verführbarkeit«, mit dem sich die Nationalseelenkunde der Kritischen Theorie von einer Erklärung der […]
Sinis

Die rhetorisch raffinierten demagogischen Künste des Gröfaz (»Größter Führer aller Zeiten«) Hitler hätten manipulativ überwältigend und mit dem fatalen Ergebnis eines verlorenen Weltkriegs an den »autoritären Charakter« der Deutschen angedockt. So lautete zu Zeiten des »Wirtschaftswunders« der Befund einer prinzipiellen Veranlagung zu »Verführbarkeit«, mit dem sich die Nationalseelenkunde der Kritischen Theorie von einer Erklärung der Inhalte verabschiedete, die die Volksgenossen des Dritten Reichs beherzigten. Wenn es nun heute der Nation abermals und diesmal, was die Eingesetzten und Betroffenen denn auch gebührend zu würdigen haben, aus demokratischer Notwehr um Krieg, die Bereitschaft zu ihm und die Tüchtigkeit für ihn geht, so ist für den Meinungshauptstrom der Ansatz der Frankfurter Soziologenschule schlicht aus der »Zeitenwende« gefallen; heute ist schließlich nicht mit damals vergleichbar – jetzt ist ganz offensichtlich (Putin!) eben alles ganz anders. Vortragen lässt sich die Sicht, es gäbe auf Selbstunterwerfung erpichte, obrigkeitshörige Nationen, aber immerhin noch dann, wenn es um den Feind geht, z. B. um die slawische Knechtsseele mit ihrem »besonderen Verhältnis zum Tod«, die sich geradezu masochistisch dem Moskauer Hitler hingäbe.

Wie gesagt sieht es bei »uns« ganz anders aus. »Wir« bescheiden uns damit, eine »starke Führung« zu schätzen. Und diese enttäuscht »uns« denn auch nicht. Weder in ihren Verkündigungen dazu, was ansteht, ihrem Nachdruck darauf, was korrekt informierte gute Deutsche glauben sollen, anstatt auf schon von Olaf Scholz ausgedeutete »Engel aus der Hölle« hereinzufallen, noch mit ihren Maßnahmen, die umgesetzt werden, »ganz gleich was Wähler meinen«. Die deutsche Nation kommt – gerade in diesen schlimmen Zeiten (immer wieder Putin!) notwendig – in den Genuss klarer Bescheide, von Entschlossenheit und Konsequenz. (Und wer das deutsche Parlament noch »Quasselbude« schimpft, dürfte Dornröschen heißen und einfach den Schuss nicht gehört haben.)

Der Spruch »die fetten Jahre sind vorbei« räumt in aller Prägnanz auf mit dem Missverständnis, ein »guter Staat« habe doch ein sogenannter »Wohlfahrtsstaat« zu sein. Es gilt: »Kanonen statt Butter«, und entsprechend wird auch verfahren. Die Exekutoren staatlicher Räson stellen klar, dass das Allgemeinwohl ein Reich der Notwendigkeiten ist, die die Politik definiert, organisiert und ausgestaltet. Es geht nicht (mehr, so heißt es) um ein (spätestens jetzt, so wird gesagt) utopisches »Überschütten eines (verwöhnten?) Volks mit (unverdienten?) Wohltaten«, sondern um schieres Überleben des Volkskörpers, nicht zu verwechseln mit dem des Einzelnen, das nur mit der Bedienung von Notwendigkeiten zu sichern sei. Die Devise der Regierenden lautet »we must be cruel in order to be kind« und greift zum Format der schon bekannten »Listen der Grausamkeiten«, die Opfer schaffen und noch weiter schädigen; in letzter Konsequenz auch zum – ein Wort mit Tradition – »Blutzoll«.

Die prinzipielle Rechtfertigung dieser Politik besteht darin, dass Russland besiegt werden muss, danach auch noch China, und aus diesem Zweck ergeben sich alle weiteren Notwendigkeiten, die sich nach ihm auszurichten haben. Der Sozialbereich, der dem Staat grundsätzlich zwar als für Reproduktion und Kompensation kapitalistischer Arbeitskraftvernutzung notwendig, aber zugleich als Übel gilt, da dieser, egal wie geschäftsmäßig organisiert, nur Reparaturbetrieb bleibt und ihm ein Kostenfaktor ist, bietet sich wie auch schon bisher für weitere, jetzt eben noch radikalere Einschnitte an. Ebenso steht es um Infrastrukturen, Bildungs- und Gemeinschaftseinrichtungen und ähnliches. (Dazu können Experten begleitend diskutieren, was »noch zumutbar« sein könnte und wo »relative Armut« endet und »absolute« beginnt.)

Gleich wie man es bewerten will: Deutschland, EU, NATO widmen sich mit aller Macht dem erwähnten Oberzweck, den die US-Suprematie, aktuell verkörpert durch »GOAT« (Greatest Of All Times) Trump, vorgibt. Wenn »Vasallentum« dieses Verhalten bezeichnet, dann heißt dies eben auch bzw. »bloß«, dass die europäischen Staatenlenker, auch als »transatlantisch übergelaufene und polarisierte Eliten« aufgefasst, sich ausrechnen, im Krieg für »Daddy« (so Rutte) ihr nationales Heil zu finden. Wird z. B. Deutschland Weltmacht sein oder gar nicht sein? Dem müssen »wir« uns stellen; wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Alles andere sind defätistische Umständlichkeiten. Man kann das nun »verantwortungslos« nennen (Merz ist anderer Meinung) – in enormem Maß tödlich ist es allemal. (Einspruch gegen die Vorbereitung/Führung des Gemetzels ist, wie die Medien ja tagtäglich vorführen, unzulässig.)

Wie im Frieden sind die auf staatlichen Territorien Zusammengefassten auch im Krieg menschliche Verfügungs- und Manövriermassen (allgemeine Wehrpflicht – ja oder nein? Spannende Frage). Das wissen die politischen Lenker, darauf verlassen sie sich, so behandeln sie ihre Bürger, so setzen sie diese ein. Unter diesen stimmen Anständige explizit zu, und das dröhnende Schweigen des sich um den »eigenen Kram« kümmernden Rests dazu drückt ja auch schon zur Genüge aus: So oder so sind nun mal Leben und Sterben, so geht Schicksal.

Diese Haltung hätte schon der Alte Fritz (»Hunde, wollt ihr ewig leben?«) approbiert, und auch die vormals Kriegsmüdigkeit befürchtende Annalena Baerbock kann damit sicher auch gut leben.

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